Rundbrief Nr. 3, Weihnachten 2005/ Neujahr 2006

                                                                                                                                       

Im Dezember 2005

 

Wolfgang, Maureen, Tim und Josua

Marquardt-Tubalawony

Kotak Pos 214, Puspenka GKI Jalan Hawai

Sentani 99352, West Papua/ Indonesien

Tel&Fax +62-967-59 34 67

Email: maureenwolfgang@yahoo.com

 

Ueber Billigvorwahl 01073-0062-967-59 34 67 von BRD nach West Papua z..Zt. 04,40 ct pro Minute (01077 z.Zt.ebenfalls 04,40 ct)

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Bitte beachten: West Papua ist der Zeit in BRD (Winterzeit) um 8 Stunden voraus: zBsp 10.00h BRD/ 18.00h West Papua

 

Liebe Verwandte, Freunde und Bekannte in Deutschland, Indonesien oder sonstwo in der weiten Welt,

 

wie geht es Euch allen? Wir sind froh ueber die vielen Zeichen der Verbundenheit, die wir per  Telefon, Fax, Email und Briefe erhalten haben, auch ueber die vielen ermutigenden Rueckmeldungen zu unserem letzten Rundbrief Nr. 2 zu Pfingsten 2005. Leider haben wir es nicht immer geschafft, gleich persoenlich zu antworten. Wir bitten um Verstaendnis und Geduld und hoffen, dass der Gespraechsfaden nicht abreisst, auch wenn die Antworten unsrerseits etwas laenger auf sich warten lassen sollten.

 

Nun sind wir schon ueber ein Jahr hier in West Papua und unser zweites Weihnachtsfest in Indonesien steht vor der Tuer. Wir sind gerne hier und haben unseren Aufbruch nicht bereut.

Schwierigkeiten gibt es zwar genug, aber die gibt es ja auch anderswo. Von einigen schwierigen Zusammenhaengen haben wir im letzten Rundbrief berichtet. Sicher waere es schoen, wenn wir Euch jetzt die Loesungen dieser Probleme praesentieren koennten – aber so einfach geht das nicht.

Die Uhren ticken hier anders und auch die Herzen schlagen anders. Ausschlaggebend ist die Liebe zueinander, die in Christi Liebe gegruendet ist. Diese Liebe laesst Herzen hoeher schlagen und bringt manchmal auch „tickende Uhren“ (hier und auch bei uns) in ein heilsames Ungleichgwicht. Sie gilt weltweit und haelt uns zusammen, auch wenn manches zum Davonlaufen waere. Doch der Reihe nach.

 

Wir denken in diesem Jahr besonders an das, was genau vor 12 Monaten passiert ist:

Am zweiten Weihnachtsfeiertag vor einem Jahr ueberflutete die Tsunami Katastrophe weite Teile der Welt im Indischen Ozean bis hin nach Afrika. Indonesien war sehr stark betroffen, vor allem in Nordsumatra/ Aceh und bei einem spaeteren Beben auch auf der Insel Nias. Hier in West Papua waren wir zwar ueber dreitausend Kilometer entfernt von diesem Geschehen, doch auch hier war das Entsetzen gross. Die nachfolgende Spendenwelle aus aller Welt ist beeindruckend. Der Wiederaufbau ist zwar im Gang, doch noch lange wird der Verlust von Menschen und ganzen Doerfern nicht ueberwunden sein. Wie gehen wir als Christen damit um?

Es ist die alte Theodizee Frage: Wie kann Gott das zulassen?

In einem Seminar von 08.-12.Juni 2005 in Makasar zum Thema „Teologi Bencana“ – „Theologie im Kontext von Katastrophen“ von OASE Intim wurde „die eine richtige Antwort“ zwar nicht gefunden, aber immerhin wurde aufgeraeumt mit alten christlichen Sackgassen, die eher neue Wunden schlagen als wirklich zu troesten, etwa „das Gericht Gottes“, „die Schuld der Muslime“ oder „Gott prueft den Glauben und laeutert die Menschen“. Es findet erschreckend wenig theologische Reflektion zu diesem Thema in Indonesien statt. Die Tagung in Makasar war ein Lichtblick und mit Andreas Yewangoe vom PGI Jakarta, Gerrit E.Singgih aus Yogyakarta und anderen Referenten bzw. Teilnehmern zusammen wurde versucht, eher Gottes Solidaritaet mit den Armen zu sehen, sein Mitleiden in der Schoepfung und seinen eigenen Schmerz im Kreuzesweg Jesu Christi.

 

Fuer hunderttausende von Menschen im Tsunami Gebiet wird es nun das erste Weihnachtsfest ohne ihre Angehoerigen sein. Welchen Trost bringen wir ausser der grossen Spendenwelle?

Die „Gnade“ des Davongekommenseins entwickelt sich fuer viele zum Schuldgefuehl:

warum habe ich ueberlebt und nicht mein Kind, meine Eltern, mein Bruder/ meine Schwester?

Aehnlich erging es vielen Ueberlebenden der beiden Weltkriege in Europa.

Langfristige Begleitung in seelsorgerlichen Gespraechen und psychotherapeutischer Unterstuetzung ist notwendig. Leider steckt diese Fachrichtung in der theologischen Ausbildung in Indonesien noch in den Kinderschuhen und ist mancherorts nach wie vor gepraegt von den oben genannten traditionellen Sackgassen.

Allerdings kann westliche psychotherapeutisch geschulte Seelsorgelehre nicht einfach unmittelbar uebernommen werden. Ein intensiver Uebersetzungsprozess ist notwendig, der zwar aufwaendig, aber sehr lohnend und zukunftstraechtig ist. Wir hoffen, dass diese intensive kontextuell-theologische Arbeit weitergehen kann, auch wenn schwarze Paedagogik, Stammesdenken und Vetternwirtschaft an vielen theologischen Hochschulen Indonesiens noch die Oberhand haben.

 

Auch was unser Freund Pfr.Daniel Mofu und seine Familie erleben mussten, beschaeftigt uns in diesem Jahr sehr.

Anfang April, als Dani zu uns gekommen war, hat er sich mit Maureen am Esstisch ueber seine Arbeit unterhalten, die er gerade in 12 ganz isolierten Doerfern im Mamberamo Flussgebiet geleistet hat.

 

Da erreichte uns ein Anruf von seiner Frau Gerda ueber das SSB Funk Radio neben unserer Garage. Sie ist ebenfalls Pfarrerin und war zu dieser Zeit mit den beiden kleinen Kindern im Pfarrhaus in der Gemeinde am Mamberamo. Ein Dutzend Soldaten war mit dem Boot auf der Suche nach aufstaendischen Seperatisten der OPM Bewegung ins Dorf gekommen. Sie durchwuehlten das ganze Pfarrhaus nach Dokumenten, gaben Schuesse ab, verpruegelten wahllos die Maenner im Dorf mit Stoecken und stahlen Huehner und Gemuese. Spaeter gab es zwar eine „Entschuldigung“ von Seiten des Militaers, aber bis heute keine Entschaedigung oder medizinische Betreuung fuer die Opfer.

Jetzt ist die ganze Pfarrfamilie zu ihrem eigenen Schutz nach Wamena in die Berge versetzt worden.

 

Anscheinend hatte sich Dani so sehr gegen illegales Fischen und Holzabbau in dieser Region und fuer die ansaessige Bevoelkerung eingesetzt, dass die ganze Aktion darauf abgemuenzt war, ihn als „Spielverderber“ bei illegalen Geschaeften (in die das Militaer verwickelt ist) loszuwerden.

Als der kleine Klaus, ihr Sohn, zu uns gekommen ist, hatte er immer seine Spielzeugpistolen dabei. Bevor er nach Hause ging, suchte er wieder seine Pistolen und sagte: „Mama, wir muessen meine Pistolen immer dabei haben, dass ich zurueckschiessen kann, wenn die Soldaten uns etwas Boeses tun wollen“. Das hat uns sehr beruehrt.

 

Daniel, Gerda und die Kinder sind – wie wir alle - nach wie vor entsetzt. Fuer die skrupellosen Soldaten gibt es keine Strafe, sie wurden im Gegenteil fuer ihre „Heldentat“ noch ausgezeichnet.

 

Wolfgang ist jetzt „im zweiten Semester“ an der STT Abepura und unterrichtet vor allem Oekumene.

Beim Unterricht am 01.12., dem Freiheitstag der Papuas, warfen Demostranten in der STT Fensterscheiben ein, weil sie nicht akzeptierten, dass hier studiert wird, sondern alle nach draussen zur Demonstration zwingen wollten. Sie blockierten die Hauptstrasse mehrere Stunden lang. Die Polizei „beschuetzte“ nur den leeren Militaersportplatz gegenueber der STT, weil dort im vorigen Jahr am 01.12. die Morgensternflagge fuer ein „Freies Papua“ gehisst wurde.

Zwar gab es nur leichte Blessuren, aber der Schreck sitzt tief und es haetten leicht groessere Verletzungen vorkommen koennen. Doch nach einer Stunde konnte der Studienbetrieb wieder aufgenommen werden.

 

Sprachlich kann sich Wolfgang inzwischen zwar viel besser verstaendigen, aber bei lebhaften Diskussionen stoesst er schnell an seine Grenzen. Da im GKI Fortbildungszentrum Puspenka immer noch ueberhaupt nichts laeuft, ist die STT im Augenblick sein eigentliches Betaetigungsfeld.

Die GKI Synode, die fuer Oktober geplant war und von der wir klare Weichenstellungen erwartet hatten, wurde auf Maerz 2006 verschoben.

Ein kleiner Fortschritt konnte immerhin fuer die Bibliothek der STT erreicht werden.

In Zukunft werden die neuen Buecher jaehrlich bei einem indonesischen Verlag bestellt und von der VEM direkt aus Deutschland bezahlt. In den letzten Jahren wurden naemlich so gut wie keine neuen Buecher angeschafft, obwohl die VEM und andere Partnerorganisationen jedes Jahr betraechtliche Summen fuer diesen Zweck zur Verfuegung stellen. Freilich nuetzt auch das nichts, wenn die neuen Buecher nicht gelesen werden.

 

Die Pruefungsergebnisse des letzten Semesters waren fuer Wolfgang (und auch fuer Maureen) ein Schock. Es wurde ihm einerseits klar, dass Aufbau und Ergebnissicherung im Unterricht noch einfacher und klarer sein sollten, zum andern stellte sich aber auch heraus, dass nur ein Teil der Studenten ernsthaft studiert. Viele haben grosse Muehe, die Studiengebuehren und ihren Lebensunterhalt aufzubringen und muessen deswegen den ganzen Tag arbeiten. Mit der Steigerung des Benzinpreises zum 01.10. um 40% ist auch das Transportgeld teurer geworden und viele Studenten von ausserhalb kommen nicht mehr regelmaessig. Andere wiederum sitzen aus Prestigegruenden und/ oder Verlegenheit ein Studium ab, das sie nicht verstehen (wollen). Doch so lange sie regelmaessig ihre Studiengebuehren bezahlen koennen, geschieht nichts.

 

Die Zusammenarbeit mit anderen christlichen Kirchen und das theologische Verstaendnis ihrer Grundlagen ist Wolfgang ein grosses Anliegen. Auch der Dialog mit anderen Religionen und die Frage nach Recht und Gerechtigkeit in Politik, Kirche und Gesellschaft gehoeren ins Zentrum oekumenischer Themen. Doch eine Theologenschaft, die sich der Kenntnisnahme oekumenischer Geschichte und Thematik verweigert, ist – wie er meint - dazu verurteilt, die Fragwuerdigkeiten der Kirchengeschichte zu wiederholen.

Eine engere Zusammenarbeit der verschiedenen theologischen Ausbildungsstaetten waere sehr sinnvoll. Puspenka koennte sich zu einer „Oekumenischen Akademie“ entwickeln, in der gesellschaftspolitische Zukunftsfragen aus oekumenischer Perspektive zusammen mit Teilnehmern aus allen Gesellschaftsbreichen diskutiert werden. Auch kontextuell-theologische Vertiefung der Gemeindepraxis in Gottesdienst, Unterricht und Seelsorge fuer Laien und Pfarrer/innen aller Konfessionen ist in Puspenka gut moeglich.

Aber dazu braucht es ein klares Mandat und vor allem eine vertrauenswuerdige Leitung.

 

Maureen arbeitet im P3W Frauenwerk mit und predigt sonntags in den Gemeinden rund um Sentani. Seit fast einem halben Jahr hat sich die Situation bei uns sehr veraendert. Wir vermissen einige Leute in unserem Haus. Naomi, unsere Hausangestellte, hat uns im Juni verlassen.

Schade, aber sie braucht mehr Zeit fuer sich und auch mehr Einkommen um die Studiengebuehren fuer ihre Tochter zu bezahlen. Es ging nicht nur um das Gehalt, sondern auch um bestimmte Arbeitsbedingungen, die wir vereinbart hatten. Wir danken ihr fuer die Begleitung und Hilfe. Wir wollen uns weiterhin respektieren, darum ist die Arbeitsbeziehung gestoppt. Jetzt bleiben wir gute Freunde. Sie wohnen jetzt in ihrem eigenen Haus in der Naehe von uns. Sie und Eva, ihre Tochter, sind immer wieder bei uns zum Kaffee oder manchmal uebernachtet Eva mit Yemina und Marthafina bei uns. Nach ihrer Hochzeit sind Yul und Geof (unser Kindermaedchen und unser Chauffeur) ausgezogen. Jetzt wohnen sie gluecklich in Ambon und haben ein Kind. Bei uns wohnen noch Marthafina und Yemina. Die beiden kommen aus Apahapsili im Bergland. Marthafina studiert Tierzucht in Sentani und Yemina Theologie in Abepura. Am dritten Advent wurden sie in der Onomi-Kirche konfirmiert und es gab ein grosses „bakar batu“ Fest bei uns im Garten. Beim „bakar batu“ wird ein Schwein zusammen mit Gemuese in einer Erdgrube mit heissen Steinen nach traditioneller Art gegart. Ambrosius, der schon Familie Tommeten im Garten geholfen hatte, wohnt jetzt bei uns und hilft auch im Garten. Ausserdem kommt weiterhin ab und zu Ismael, um Ambrosius zu helfen. Maureen denkt, es ist vernuenftig, mit weniger Leuten im Haus zu wohnen und eher so zu arbeiten wie in Deutschland, allein oder mit gelegentlicher Hilfe, aber effizient und froehlicher.

 

Tim ist seit August in der ersten Klasse der Hillcrest International School in Sentani. Er geht gerne in die Schule, doch findet er seinen „Arbeitstag“ von 07.45 – 14.45h etwas zu lang. Mit Englisch kommt er inzwischen ganz gut klar. Besonders viel Spass hat er beim Sport und beim Basteln. Als er neulich etwas gelangweilt an seinen Hausaufgaben sass und die Buchstaben mit jeder neuen Zeile schiefer wurden, da antwortete er ganz geistesgegenwaertig: „Der Wind von der Seite war so stark, dass ich die Buchstaben nicht gerade schreiben konnte.“

Am 11.03.2006 wird er sieben Jahre alt.

 

Josua wird am 06.01.2006 drei Jahre alt und spielt froehlich im Haus und im Garten. Er hat viele neue Woerter auf deutsch und indonesisch dazugelernt. Doch ab und zu verbluefft er uns mit englischen Zwischenrufen, die er von Tim aufgeschnappt hat. Eifrig versucht er, seinen grossen Bruder nachzuahmen und ist frustriert, wenn ihm nicht alles gleich gelingen will, was er von ihm abguckt. Auch wenn es Streit gibt um ein Spielzeug oder darum, wer an`s Telefon oder an die Tuer darf, umarmt er doch liebevoll seinen Bruder, wenn dieser von der Schule nach Hause

                            kommt und ruft: “Soen, wow, lihat ..... Motti!“

 

Julia, die Tochter von Wolfgang`s Cousin Uli aus Stuttgart-Vaihingen, ist von September 2005 bis Juni 2006 bei uns und hilft im Katholischen Kinderheim in Sentani und beim Englischunterricht an der STT als soziales Jahr vor dem Studium. An Weihnachten kommen ihre Eltern und ihre Schwester Corinna zwei Wochen zu Besuch. Es gab einige Schwierigkeiten mit Julia`s Sosbud Visum. Wir haetten es von Anfang gleich ueber Pak Hengky im Auftrag des PGI in Jakarta einfaedeln lassen sollen. Schlussendlich mussten wir mit einem kleinen Boot in einer Tagesreise von Jayapura nach Vanimo in Papua Neu Guinea (PNG) fahren, um es beim Indonesischen Konsulat abzuholen. Jappi Rumbrar von der GKI Kirchenleitung begleitete uns. Unterwegs sahen wir im Meer Delphine, fliegende Fische und in den Baumgipfeln am Ufer sogar weisse Kakadus.

 

Die diesjaehrige Visumverlaengerung von Wolfgang, Tim und Josua stand im September an. Wir waren dieses Jahr fest entschlossen, keine uebertriebenen Gebuehren mehr zu bezahlen und betonten den beauftragten Kirchenbeamten gegebueber die klare Aussage des Kirchenpraesidenten:

Als auslaendische Mitarbeiter sind wir Gaeste der GKI, von der GKI eingeladen und berufen, und deshalb haben weder wir noch die VEM etwas mit den Visagebuehren zu tun, sondern es ist Aufgabe der GKI, dies zu erledigen und zu bezahlen. So war es dann auch und wir konnten es kaum fassen, nach allem, was wir im vorigen Jahr selbst erlebt haben und von anderen Auslaendern schon hoerten. Aber wir haben dieses Jahr tatsaechlich keine einzige Rupiah fuer die Visumverlaengerung bezahlt.

Maureen hat als indonesische Staatsbuergerin ihre Passverlaengerung von vorneherein in die eigene Hand genommen und dann mit den Immigrasi Behoerden so lange verhandelt, bis sie nur die offizielle Gebuehr bezahlen musste. Das alles kostet reichlich Zeit und Nerven.

 

Gesundheitlich geht es uns einigermassen gut. Auch die Hitze vertragen wir und versuchen, den natuerlichen Rhythmus des tropischen Tagesablaufs mitzumachen: Frueh aufstehen, die wichtigsten Tagesaufgaben am kuehlen Vormittag erledigen, lange Nachmittagspause von 14-15.30h

(sofern terminlich moeglich), viel Trinken (klares Wasser) und geselliges Abendprogramm. Tim und Josua hatten eine Malaria Tertiana +1, die hier aber so routiniert behandelt wird wie bei uns eine Erkaeltung. Schon nach ein bis zwei Tagen waren sie wieder hergestellt. Doch spassen laesst sich damit nicht, denn eine unbehandelte Malaria wird schnell lebensgefaehrlich.

 

In den Sommerferien waren wir alle fuer zwei Wochen in Ambon, der Heimatstadt Maureen`s auf den Molukken, und haben Mami Lotje, Usi Winny und Usi Auggy mit ihrem Mann Steven besucht.

Es gab ein Wiedersehen mit vielen Verwandten und alten Freunden, aber auch grosses Erschrecken ueber die verbrannten Ruinen dieser geschundenen Stadt. Neue Haueser, Kirchen und Moscheen koennen kaum darueber hinwegtaueschen, dass die Traumata der Unruhen von 1999 – 2004 noch lange nicht ueberwunden sind. „Ambon manise“ (liebliches Ambon), so pflegte man einst schon fast sprichwoertlich zu sagen, jetzt heisst es „Ambon menanggis“ (das weinende Ambon).

Im Gesprach mit Ambon`s Kirchenpraesident Dr.I.W.J. Hendriks im September in Wisma PGI Jakarta haben wir erfahren, dass es immer noch Bombenexplosionen und Provokationen gibt.

Aber die Menschen dort haben aus der Erfahrung der Unruhen viel gelernt und wissen, wie wichtig der Frieden ist. Viele haben an Trainingsprogrammen fuer friedliche Konfliktloesungen teilgenommen und Methoden kennengelernt, mit denen man besser fuer den Aufbau neuen gemeinsamen Lebens Frieden schaffen und bewahren kann.

 

Hoehepunkte des zu Ende gehenden Jahres waren der Besuch der VEM Gruppe „Woman to Woman“ im August und auch der viertaegige Papua-Aufenthalt der Reisegruppe mit Pfarrer Dr.Reinhold Wagner aus Schorndorf in Polimo und Sentani, den Wolfgang organisiert hat. Die Gruppe von Pfr.Dr.Wagner brachte  neue Hemden fuer die Evangelisten rund um Polimo mit und sammelte Geld fuer sie, da sie seit fast einem Jahr kein Gehalt mehr bekommen haben. Wir erlebten ein eindrucksvolle gemeinsame Bibelarbeit ueber Apostelgeschichte 2 (Die erste Gemeinde) und freuten uns an dem herrlichen Gesang der Evangelisten.

Beim naechsten Besuch in Polimo wollen wir 20 magnetische Schuettellampen ohne Batterien und auch Taschenmesser und Buecher mitbringen, die von der deutschen Gruppe gespendet wurden.

Wir durften diese beiden Gruppen („Woman to Woman“ und Pfr.Dr.Wagner) auch in unserem Haus empfangen. Es gab jeweils ein froehliches Kaffeetrinken und auch frische „Kokosnuessmilch“ mit Strohhalm. In jener Zeit war auch Oma Elfriede aus Deutschland drei Wochen zu Besuch und kann sich nun endlich ein Bild von unserer neuen Arbeit und Heimat machen. Es hat ihr so gut bei uns gefallen, dass sie naechstes Jahr wiederkommen moechte. Am 02.11. feierte sie ihren 70.Geburtstag und wir waren auch dabei. Drei Wochen konnten wir in Deutschland sein und den sonnigen, goldenen Herbst samt den ersten Schneeflocken geniessen.

Es gab viele mutmachende Begegnungen und ein Wiedersehen mit der Familie und Freunden.

Leider konnten wir in dieser kurzen Zeit nicht ueberall Besuche machen.

 

Maureen und Wolfgang waren von 12.-13.11.2005 beim PERKI Stuttgart Seminar im Waldhotel

Schatten zum Thema „Das Verhaeltnis des Christentums zu anderen Religionen“ dabei.

Wir sind durch die guten Gedanken und Vortraege von Prof.Dr.Franz Magnis Suseno SJ (urspruenglich deutscher katholischer Pfarrer, der schon ueber 40 Jahre in Indonesien lebt), Prof.Dr.Dieter Becker (Neuendettelsau), Prof.Dr.Olaf Schuman (Hamburg) und Dr.Marie Claire Barth (Basel), sehr bereichert worden.

 

„Go, tell it on the mountains!“ – koennte man die Adventsstimmung in Sentani beschreiben.

Ueberall werden die „pondok natal“ aufgebaut:

kleine Weihnachtshuetten mit bunten elektrischen Lichtern und absolut ueberdimensionalen Lautsprechern. Von den Bergen schallen dann Tag und Nacht Weihnachtslieder. Sehr schoen.

Wenn allerdings morgens um 4h von dort auch noch lautstark gesungen und gepredigt wird, dann haben wir fast nichts mehr gegen einen Stromausfall.

 

„Geht, ruft es von den Bergen!“ – das ist aber auch der Hilfeschrei hungernder Menschen in den Bergregionen, die wegen jahrelanger einseitiger Ernaehrung krank werden oder sterben.

 

Seit der Woche vor dem Dritten Advent gibt es Zeitungsberichte ueber eine Hungersnot in der Region Kabupaten Yahukimo in den Bergen. Der indonesische Praesident SBY hat unter anderen vor allem auf die Not in den Doerfern Nalca, Puldama und Panggema sehr deutlich reagiert.

Er auesserte sich sehr schroff ueber den Regierungsbezirk Yahukimo, der solch einer Hungersnot seiner Bevoelkerung tatenlos zusieht. Er sandte einige seiner Minister direkt in die Yahukimo Region. Die Ehefrau des Praesidenten liess Nahrungsmittel und Medikamente senden.

 

Diese Bergregion ist sehr isoliert, da sie nur ueber Kleinflugzeuge oder Helikopter erreicht werden kann. Nach dem Besuch hat ein Minister sofort weitere Hilfe versprochen.

Die Ernaehrung der Bevoelkerung ist nicht ausgewogen. Die Ernte ist verdorben, weil das Wetter schlecht war. Wenn eine oder mehrere Ernten wegen Erdrutsch oder Unwetter ausfallen, herrscht sofort grosse Not, da es in der Regel keine Vorratshaltung gibt. Deswegen werden nun weitere Helfer fuer die Landwirtschaft dorthin gesandt.

Das ist immerhin eine freundliche Nachricht fuer diese abgelegene Bergregion.

 

Hoffentlich erfahren die Leute dort von dieser Direkthilfe und hoffentlich sind die Verantwortlichen, die diese Hilfsleitungen organiseren, nicht korrupt. Auch ist zu hoffen, dass die Beamten die Rechte dieser unterernaehrten Menschen wahrnehmen, die ohne weitere Lebensmittel und ausgewogene Ernaehrung keine Chance haben.

 

Wie reagiert die GKI TP darauf ? Der Vositzende der GKI Synode, Herr Kirchenpraesident Pfr.Herrmann Saud M.Th., sieht die GKI in der Pflicht, zu helfen.

Er will aber erst pruefen, inwieweit diese Meldungen der Wahrheit entsprechen oder ob sich eine korrupte und verantwortungslose Ortsveraltung ueber Publicity und auswaertige Spenden sanieren will.

 

Im Gebiet von Mulia bei Wamena sind weitere Ursachen fuer den Hunger Vertreibungen von Seiten des Militaers. Seit Herbst 2004 wurden ganze Doerfer und Felder zerstoert und die Schweine gestohlen oder getoetet mit der Begruendung, die Menschen dort haetten Rebellen unterstuetzt oder seien selber welche. Mehrere tausend Menschen sind in den Wald geflohen und „leben“ dort ohne ihre Lebensgrundlagen (Haeuser, Gaerten und Schweine). Etliche sind krank geworden und gestorben.

 

 

 

„Ehre sei Gott in der Hoehe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“ Lukas 2,14,  

 

in diesen Lobgesang der Engel sollen auch die Menschen Papuas und besonders die Bewohner der Bergregionen und der isolierten Flussgebiete von Herzen einstimmen koennen, das ist unser dringendster Weihnachtswunsch.

 

 

 

Euch allen herzliche Gruesse,

Frohe Weihnachten und ein Gutes Neues Jahr 2006,

 

Eure

Wolfgang, Maureen, Tim und Josua

Marquardt-Tubalawony

aus Sentani/ West Papua

 

 

 

 

 

Literaturhinweise:

 

 

West Papua  „In die Welt - fuer die Welt“, VEM Magazin fuer Mission und Partnerschaft Nr.6/2005

               Bestellung ueber die untenstehende Adresse im Kasten. (Einzelexemplare kostenlos)

 

Leben der Frauen in West Papua. VEM Zeitschrift „Frauen Leben“, Dezember 2005. (Einzelexemplare kostenlos)

 

Indonesien: West Papua fordert Autonomie. Wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte eines gefaehrdeten Volkes.

                     Strukturelle Gewalt in den Nord-Sued Beziehungen. Suedwind Edition Bd.6, 51 S., 2005,  info@suedwind-institut.de

                     SUEDWIND e.V. – Institut fuer Oekonomie und Oekumene, Lindenstr. 58-60, D-53721 Siegburg, EURO 5

 

Wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte in West Papua. Soziale Realitaet und politische Perspektiven.  

                     Hrsg. von der Evangelischen Kirche im Rheinland (2005) zusammen mit der Evangelischen Kirche von Westphalen,

                     World Council of Churches WCC, VEM, Misereor, Suedwind und West Papua Netzwerk, 224 S., ca. EURO 15

                     (dieses Buch ist auch in englisch und indonesisch erhaeltlich)

 

Geert Mak, Das Jahrhundert meines Vaters. Siedler-Verlag Berlin 2003, niederlaendisch 1999, 569 S., EURO 28

 

 

 

 

Unser Rundbrief wird von der VEM Wuppertal kostenlos per Email oder Postbrief versandt.

Vereinte Evangelische Mission VEM, Rudolfstr. 137, D-42219 Wuppertal, Tel +49-2020-89004-0 Fax 179   info@vemission.org

Weitere Exemplare dieses Rundbriefs oder unsere  beiden ersten Rundbriefe von Advent 2004 und Pfingsten 2005 koennen bei der VEM, Frau Jordan-Wehking, unter asien@vemission.org bzw. unter der o.g. Adresse bestellt werden. 

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